Zähne, Kiefergelenke und Kaumuskulatur bilden eine biomechanische Einheit, das Kausystem. Dessen Funktionen, wie etwa Abbeißen und Zerkleinern der Nahrung durch Kauen, sollten im Zusammenspiel der Zähne des Ober- und Unterkiefers sowie der Kiefergelenke möglichst harmonisch und, im wahrsten Sinne des Wortes, reibungslos funktionieren. Kommt es zu Störungen dieses Zusammenspiels zwischen Oberkiefer (Cranium=Schädel) und Unterkiefer (Mandibula), spricht man generell von einer craniomandibulären Dysfunktion (CMD). Eine fehlerhafte Bisslage lässt sich also auf ein gestörtes Zusammenspiel der Zähne von Ober- und Unterkiefer zurückführen. Denn dadurch bringen sich beide Kiefergelenke zwangsläufig in eine unvorteilhafte Lage. Die Folge: Die Muskulatur wird fehl-beansprucht. Dies führt zu Beschwerden und Schmerzen im gesamten Stütz- und Bewegungsapparat.  

  • Die Literatur definiert die CMD als „Sammelbezeichnung für einen vielfältigen Komplex von Erkrankungen des Kausystems“ – womit auf der Hand liegt, dass sowohl Diagnose als auch Therapie nicht einfach zu handhaben sind.

Symptome der CMD

Eine CMD äußert sich zumeist durch Symptome vorwiegend im Kopf-Hals-oder Nackenbereich. Es sind oftmals Schmerzen, die zuerst nicht vermuten lassen, dass die Ursache eine Störung des Kauapparats ist:

  • ständige Nackenschmerzen
  • Migräneattacken
  • Rückenschmerzen
  • Schwindelgefühle
  • eingeschränkte Mundöffnung
  • Herausbrechen von Zahnteilen oder Kronen und Füllungen am Zahnfleischrand
  • Zahnfleischrückgang

um nur einige Beispiele zu nennen. Kommt es zu einer Fehlfunktion, versucht das Gehirn durch Ansteuerung der entsprechenden Muskeln, diese auszugleichen. Dies führt zu permanenten Verspannungen der Kaumuskulatur und zu den genannten Schmerzen. Man darf nicht vergessen, dass der menschliche Kauapparat nicht nur eines der komplexesten Systeme des Körpers ist. Er ist auch über zahllose Nervenbahnen eng mit der Wirbelsäule, dem Kopf und vielen weiteren Körperteilen verbunden. CMD ist ein Massenphänomen in Deutschland. Der CMD Dachverband e.V. Deutschland schätzt, dass mehr als sieben Millionen Bundesbürger unter der Craniomandibulären Dysfunktion leiden.

Wie kommt es zu einer CMD?

Nun fragt man sich: Wie kann es zu einer Craniomandibulären Dysfunktion kommen – und wie lässt sich diese therapieren? Die Ursachen einer CMD sind vielfältig:

  • Zahnfehlstellungen
  • fehlende Zähne etwa im Seitenbereich
  • nicht passender Zahnersatz
  • oder Abrasionen der Zähne durch starkes Knirschen

wären nur einige Ursachen. Auch chronische Verspannungen oder Fehlhaltungen des Körpers können zu einer CMD führen – denn wie oben gesagt ist der Kauapparat durch viele Nervenbahnen mit vielen Körperteilen „vernetzt“. Als hauptsächlicher Auslöser einer CMD kommt jedoch die Malokklusion in Betracht, die im folgenden näher erläutert werden soll.

Malokklusion: schlechter Biss

Wenn Sie einmal über Ihre Zähne streichen, dann werden Sie feststellen: An den Backenzähnen in Ihrem Gebiss im Ober- und Unterkiefer befinden sich Höcker und Grübchen. Diese sollte möglichst harmonisch ineinandergreifen. Schon durch winzige „Ungereimtheiten“ kann es zu dauerhaften Zahnfehlstellungen kommen. Hier spricht Zahnarzt Bärenklau von der Malokklusion oder Okklusionsabweichungen, also Störungen des Zusammenbisses.

Ursachen oft künstlich geschaffen

In vielen Fällen beruht die CMD bzw. Malokklusion (als Auslöser einer CMD) auf herbeigeführte Ursachen. Sind z.B. Kronen oder Füllungen zu hoch oder zu niedrig gesetzt kann dies im Anschluss einen falschen Biss auslösen. Vor allem bei jüngeren Patienten wird immer häufiger eine Zunahme der Zahnfehlstellungen beobachtet.

Schöne Zähne ohne Zentrik?

Der Trend zu geraden schönen Zähnen ist groß und entsprechend hoch das Angebot im Internet für diverse Alignerschienen-Systeme. Hier soll der Patient zu Hause die Schienentherapie durchführen mit sporadischen Kontrollbesuchen bei einem teilnehmenden Zahnarzt. Das Versprechen ist hier ein ansprechendes, lebensfrohes Lächeln.  In den allermeisten Fällen wird allerdings bei der Umstellung der Zahnposition die Zentrik nicht berücksichtigt. Das heißt die Zähne sind vielleicht in der ästhetisch gewünschten Position angekommen und wirken womöglich gerade. Allerdings bemerkt Zahnarzt Bärenklau in vielen Fällen dass der Patient am Ende der Online-Schienentherapie eine Störung des Zusammenbisses und Okklusionsabweichungen vorweist. Hier ist eine CMD vorprogrammiert.

Verspannungen als Folge

Das neuromuskuläre System versucht naturgemäß, Fehlstellungen auszugleichen und quasi ein künstliches Optimum zu schaffen, indem es die Kau-, Kopf- und Gesichtsmuskulatur dazu bringt, die Malokklusion durch Anspannung zu kompensieren. Es liegt auf der Hand, dass, wenn dies ein Dauerzustand wird, es dadurch zu erheblichen Schmerzen und Blockaden kommen kann, die man auch durch therapierende Massagen oder mit anderen Hilfsmitteln nur sehr vorübergehend wird beseitigen können. Denn immer wieder gilt es, die Kieferfehlstellung eins ums andere auszugleichen. Mit der Folge, dass die betroffenen Muskelpartien dauerhaft verspannen.

Die psychische Komponente kommt hinzu

Immer wird es bei der Ursachenbetrachtung neben der zahnmedizinischen Komponente auch eine psychische Komponente geben – Stress ist ein weiterer Auslöser einer CMD. Man denke nur einmal daran, wie man in manchen Momenten des Lebens „die Zähne zusammenbeißen“ muss. Geschieht dies häufiger, kann dies zB. zu nächtlichem Zähneknirschen (Bruxismus) und Abrieb der Zähne führen. Stress gilt als wesentlicher Verstärker dieser pathologischen Vorgänge, womit auch die Zunahme von Abrasionsgebissen bei noch jungen Patienten erklärbar ist, sind diese doch häufig beruflich enorm belastet. Um es gleich vorweg zu sagen: Ohne grundlegende Stress-Beseitigung und seelische Abhilfe ist der Bruxismus zwar auch therapierbar. Ein Behandlungserfolg kann sich jedoch nur einstellen, wenn die grundlegenden Ursachen dauerhaft beseitigt sind.

CMD durch Abrasionsgebiss

Es liegt auf der Hand, dass kein Gebiss der Welt einer ständigen Belastung durch nächtliches Knirschen stand halten kann. Ein dauerhafter Bruxismus kann zu einem erheblichen Abrieb (Abrasion) der Zähne um mehrere Millimeter führen. Bei einem solchen Abrasionsgebiss sind dann Höcker und Grübchen nicht mehr vorhanden. Die Bissführung ist dann gekennzeichnet durch eine Art mahlende Zusammenführung von Ober- und Unterkiefer, vergleichbar der Bissführung bei Wiederkäuern. Man nennt dies mit dem Fachbegriff auch ein „horizontales Kaumuster“. Mit dem Verlust der Zahnsubstanz kommt es zu einer Destabilisierung des Bisses, was zu ungleichmäßiger Belastung der Zähne, Kiefergelenke und der umliegenden Muskulatur führen kann. Die Folge sind die bereits geschilderten Beschwerden, wie etwa Verspannungen der Kau-, Kopf- und Nackenmuskulatur und weiterer Verlust von Zahnsubstanz, um nur einige zu nennen.

Weitere Ursachen für eine CMD

Der Druck auf und nächtliches Knirschen mit den Zähnen kann nicht nur zu Abrasionen führen. Auch Mikrofrakturen im Zahnhalsbereich sind die Folge. Man spricht hier von einer Abfraktion – einer Verletzung des Zahns im Zahnhalsbereich und damit einer Sonderform des Zahnsubstanzverlusts. Am Zahnhals befindet sich die Grenze zwischen Zahnschmelz und Zahnbein. Kommt es hier zu einer Abfraktion, dann macht sich diese als keilförmiger Defekt bemerkbar, der auf lange Sicht die Bisshöhe negativ beeinflusst. Aber auch falsche Ernährung kann die Zahnsubstanz beinträchtigen bzw. verändern. So führt etwa Säureeinwirkung durch falsche Ernährung (Erosion) zu einem Verlust der Zahnhartsubstanz, die wiederum zur Bissabsenkung und damit zum Verlust der physiologischen Kaufunktion führen kann.

CMD-Behandlung braucht Vertrauensbasis

Bei so vielen Faktoren liegt auf der Hand, dass für eine erfolgreiche Therapie ein festes Vertrauensfundament zwischen Ihnen, dem/der Patien/in und uns, dem Team der Zahnarztpraxis Bärenklau, bestehen sollte. Es geht, wie auf den folgenden Seiten beschrieben wird, nicht nur darum, mittels einer Funktionsanalyse und anschließender Maßnahmen die zahnmedizinischen Ursachen der CMD in den Griff zu bekommen. Letzten Endes wird es auch sinnvoll sein, eventuellen Stress und seine Auslöser beseitigen zu können.